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Wie Alstoms Lieferprobleme den Schienenverkehr bremsen

Ein europäischer Gigant in der Krise

Mit einem Jahresumsatz von rund 17,6 Milliarden Euro ist Alstom der größte Schienenfahrzeughersteller Europas und der zweitgrößte weltweit. Doch während das Unternehmen eigentlich die Mobilitätswende mitgestalten sollte, sorgen massive Lieferverzögerungen, technische Mängel und Konstruktionsfehler für Negativschlagzeilen. Besonders betroffen sind zahlreiche Bahnprojekte in Deutschland und Europa, was gravierende Folgen für Fahrgäste und Betreiber hat.

Das Expresskreuz Bremen-Niedersachsen – ein Paradebeispiel für Verzögerungen

Ein besonders drastisches Beispiel für Alstoms Lieferprobleme ist die Bestellung von 34 Coradia Max-Zügen für das Expresskreuz Bremen-Niedersachsen. Ursprünglich sollten 33 der 34 Fahrzeuge bis Dezember 2024 einsatzbereit sein. Doch inzwischen wurde dieser Termin mehrfach verschoben:

  • Dezember 2021: Erste Verzögerung – nur 10 Fahrzeuge sollten rechtzeitig geliefert werden.
  • Ende 2022: Korrektur – kein einziger Zug bis Dezember 2024.
  • August 2024: Ankündigung, dass nur 20 Züge bis Dezember 2025 kommen.
  • Ende 2024: Nächste Verschiebung – erste Züge erst Mitte 2026, volle Flotte erst Ende 2026.

Diese Verzögerungen führen dazu, dass bestehende Züge deutlich länger im Einsatz bleiben müssen, was wiederum Wartungskosten und Ausfälle erhöht. Und dieses Problem betrifft nicht nur Niedersachsen:

  • Auf der Main-Weser-Bahn in Hessen wurden 17 Coradia Max-Züge bestellt, die eigentlich ab Dezember 2024 fahren sollten – jetzt erwartet man sie erst Mitte 2026.
  • Die Züge für das Expresskreuz Salzgitter sind ebenfalls betroffen.
  • Die für Stuttgart 21 vorgesehenen Fahrzeuge werden nach aktuellem Stand erst 2027 oder 2028 vollständig einsatzbereit sein.

Hydrogen-Züge im Taunusnetz: Ein gescheitertes Vorzeigeprojekt?

Auch nachhaltige Mobilitätsprojekte leiden unter den Problemen von Alstom. Die 27 wasserstoffbetriebenen “iLINT”-Züge im Taunusnetz sollten eigentlich ab Dezember 2022 umweltfreundlich durch Hessen rollen. Doch:

  • Zum Start wurden nur 6 von 27 Zügen geliefert, von denen nur 2 funktionierten.
  • Erst Ende 2023 war die Flotte vollständig, doch massive technische Probleme führten dazu, dass derzeit nur 12 Züge im Einsatz sind.
  • Dieselbetriebene Ersatzzüge fahren auf der Strecke – ein Rückschritt für die grüne Verkehrswende.

Straßenbahnen in Frankfurt und Köln: Millionenprojekt mit Pannenserie

Auch bei den Straßenbahnen sieht es nicht besser aus:

  • Frankfurt: 57 neue Citadis-Straßenbahnen sollten die Flotte modernisieren. Doch Ende 2024 wurden alle 14 bereits gelieferten Fahrzeuge wegen technischer Mängel außer Betrieb genommen. Als Notlösung werden uralte Hochflurwagen reaktiviert.
  • Köln: Die neuen Stadtbahnen, die ab 2025 getestet werden sollten, sind noch nicht einmal fertig. Die Verzögerung: bis zu 33 Monate!

Verzögerungen bei der Kulturhauptstadt Chemnitz

Ein weiteres Beispiel für die Auswirkungen der Alstom-Krise ist das Bahnprojekt zwischen Leipzig und Chemnitz. Hier sollten moderne Coradia Continental Akku-Züge bereits 2023 fahren. Der aktuelle Stand:

  • Liefertermin auf Dezember 2025 verschoben, also zwei Jahre zu spät.
  • Statt moderner Akku-Züge fahren weiterhin Dieseltriebwagen und Doppelstockwagen.

Warum scheitert Alstom?

Die Gründe für diese massiven Probleme sind vielfältig:

  1. Übernahme von Bombardier: Die Integration des übernommenen Unternehmens führte zu Altlasten und strukturellen Problemen.
  2. Werkschließungen und Umstrukturierungen:
    • Das Werk Görlitz wird 2026 geschlossen.
    • Hennigsdorf stellt ab 2027 keine neuen Züge mehr her, sondern dient nur noch als Wartungsstandort.
  3. Finanzielle Probleme: Alstom schrieb im Geschäftsjahr 2023/24 einen Verlust von 309 Millionen Euro und kämpft mit Liquiditätsengpässen.
  4. Personalmangel und Lieferkettenprobleme: Viele Produktionsprozesse laufen ineffizient.
  5. Übernahme zu vieler Aufträge: Alstom hat sich in Deutschland offensichtlich übernommen und kann die Nachfrage nicht bewältigen.

Was bedeutet das für die Verkehrswende?

Eigentlich sollten moderne Züge und innovative Antriebstechnologien wie Wasserstoff oder Akku-Batterien den Schienenverkehr nachhaltiger machen. Doch Alstoms Probleme führen dazu, dass alte Dieselzüge länger im Einsatz bleiben und grüne Mobilitätskonzepte ausgebremst werden.

Gleichzeitig zeigen auch andere Hersteller wie Siemens und Stadler Verzögerungen – aber nicht in diesem Ausmaß. Die Alstom-Krise wirft daher eine zentrale Frage auf: Ist das Unternehmen überhaupt noch in der Lage, die Mobilitätswende voranzutreiben, oder ist es inzwischen selbst zum Bremsklotz geworden?

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Alstom sich aus dieser Krise befreien kann – oder ob die Bahnunternehmen in Zukunft auf andere Hersteller setzen müssen.

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