Startseite » Solaranlagen auf Äckern und Weiden – Wenn der Bauer doppelt erntet

Solaranlagen auf Äckern und Weiden – Wenn der Bauer doppelt erntet

Eine nachhaltige Zukunft ist das Ziel vieler Menschen und Unternehmen. Doch in der Realität treffen oft wirtschaftliche Interessen auf Umweltbedenken. In diesem Zusammenhang ist es erfreulich, dass immer mehr Landwirte ihre Flächen zweifach nutzen können: als Agrarland und zur Stromproduktion mit Photovoltaikanlagen. Das Konzept nennt sich Agri-Photovoltaikanlage und bietet zahlreiche Vorteile für die Landwirtschaft und die Umwelt. Allerdings gab es bislang auch Vorbehalte gegenüber der Technologie, die wir in diesem Artikel genauer betrachten werden.

Ein Beispiel aus dem Saarland

Auf einem Hof im saarländischen Steinbach wurde bereits 2018 geplant, eine Agri-Photovoltaikanlage zu installieren. Der Landwirt bewirtschaftet etwa 140 Hektar, Eigentum und gepachtete Flächen. Auf zwölf Hektar eigenem Grund sollte die Anlage entstehen. Der Vorteil: Die Fläche kann weiterhin auch landwirtschaftlich genutzt werden, in diesem Fall als Rinderweide mit Obstbäumen – und gleichzeitig zur Stromerzeugung. Doch Befürworter und Gegner lieferten sich jahrelang einen heftigen Schlagabtausch, Blockadeverhalten inklusive.

Bedenken und Widerstände gegen Agri-Photovoltaikanlagen

Es wurde vor Ertragseinbußen gewarnt, vor Zeitverlust, Mehrarbeit und Ausschlachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Auch die saarländische Landwirtschaftskammer verweigerte jahrelang die Zustimmung zu dem Projekt. Ein Grund: Landwirtschaftliche Vorrangflächen sind nur einem einzigen Zweck vorbehalten – der Landwirtschaft – und können deshalb nicht bebaut werden, egal womit.

Ein weiteres Argument gegen Agri-Photovoltaikanlagen ist der Verlust von Pachtflächen. Zudem lehnt der Präsident des saarländischen Bauernverbandes die Technologie aus praktischen Gründen ab, da zu viel Mehrarbeit für den Landwirt entstehen würde.

Potenzial der Agri-Photovoltaik

Trotz dieser Bedenken ist das Potenzial der Agri-PV in Deutschland groß. Derzeit sind fünf Anlagen zu Forschungszwecken in Betrieb, so ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Laut einer ersten Abschätzung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme liegt das Potenzial der Agri-PV in Deutschland bei rund 1700 Gigawatt.

Solaranlagen auf Äckern und Weiden – Eine Zukunftstechnologie

Mit der Novelle im Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) gilt seit diesem Jahr, dass Agri-PV-Anlagen auf allen Ackerflächen grundsätzlich zulässig sein sollen. Voraussetzung ist jedoch, dass die landwirtschaftliche Nutzung nicht beeinträchtigt wird. Die Technologie spielt eine wichtige Rolle in Sachen Klimaneutralität und Versorgungssicherheit, so das Ministerium.

Views: 1

Kommentare

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner