Die Deutsche Bahn hat einen neuen Zug vorgestellt, der die Nachfolge der bis zu 320 km/h schnellen ICEs antreten soll. Der neue ICE-L soll mehr können als seine Vorgänger und neue Maßstäbe setzen. Aber ist das wirklich so?
Ein Zug für alle Strecken
Der neue ICE-L soll auch dort fahren können, wo die bisherige ICE-Technik versagt hat. Städte wie Kopenhagen, Wien, Amsterdam und sogar Sylt werden mit dem neuen Zug erreichbar sein. Der Schlüssel dazu liegt in der Technik im Inneren des Zuges, die jedoch für Kritik sorgt. Kritiker bezeichnen den neuen ICE-L als „Regionalzug mit falschem ICE-Label“ und werfen der Deutschen Bahn vor, die Ticketpreise mit dem hochangesehenen ICE-Label künstlich in die Höhe treiben zu wollen.
Der Gedanke hinter dem neuen ICE-L
Die Idee eines Allrounder-ICEs ist zweifelsfrei gut durchdacht. Das deutsche Schienennetz ist eine Katastrophe, der Infrastrukturausbau stockt, und die Züge sind unpünktlich. Eine schnelle und bequeme Lösung musste her. Daher gab die Deutsche Bahn 2015 bekannt, einen ICE zu entwickeln, der auf allen Strecken optimal fahren kann – auch auf solchen, die nur mit maximal 160 km/h befahren werden können oder gar keine Stromleitungen besitzen.
Die spanische Expertise
Um dies zu erreichen, hat die Deutsche Bahn 2019 Know-how aus dem Ausland geholt und sich für den spanischen Konzern Talgo entschieden. Die neuen Züge sind also eigentlich Talgo-Züge, von denen die Deutsche Bahn zunächst nur 23 Stück bestellte. Aufgrund positiver Tests und Prognosen wurde diese Zahl auf 79 erhöht, mit der Option, weitere 21 Züge zu ordern.
Kompakte Bauweise für mehr Flexibilität
Der neue ICE-L ist 236 Meter lang und verfügt über 17 Wagen. Auffällig ist die geringe Länge der einzelnen Wagen, die nur knapp 13 Meter betragen. Diese kürzere Wagenlänge ermöglicht ein für ICEs recht untypisches Fahrgestell: Einzelradfahrsätze statt der sonst üblichen Drehgestelle. Dadurch wird der Wartungsaufwand reduziert, und der Zug wird kompakter sowie flacher. Dies ist besonders beim Einsteigen spürbar, da der Zug nur knapp 760 mm über dem Gleisbett liegt und barrierefrei betreten werden kann.
Ein Zug mit Schwächen?
Ein kritischer Punkt ist jedoch der Antrieb des neuen ICE-L. Während herkömmliche ICEs als Triebzüge betrieben werden, bei denen alle Wagen über einen Antriebsstrang verfügen, ist beim ICE-L eine einzige Lokomotive für den gesamten Antrieb zuständig. Dies ermöglicht zwar die Befahrung nicht elektrifizierter Strecken mit Diesel, jedoch sind Höchstgeschwindigkeiten von über 300 km/h so nicht möglich.
Flexibilität auf internationalen Strecken
Die Flexibilität des neuen ICE-L zeigt sich vor allem in seinen Einsatzgebieten. Neben den typischen ICE-Routen soll der Zug auch ins Ausland fahren können, beispielsweise in die Niederlande und nach Dänemark. Für nicht elektrifizierte Verbindungen hat die Deutsche Bahn 21 Siemens Vectron-Dual-Mode-Lokomotiven bestellt, die Diesel als Kraftstoff nutzen können.
Kritische Stimmen und teurere Tickets
Obwohl das Konzept des neuen ICE-L durchdacht und sinnvoll erscheint, gibt es auch kritische Stimmen. Der neue Zug trägt das ICE-Label, was höhere Ticketpreise rechtfertigen soll, obwohl er technisch gesehen eher einem IC-Zug entspricht. Auf ehemaligen IC-Routen dürfen Reisende nun höhere Preise erwarten, obwohl die Höchstgeschwindigkeit des neuen Zuges nicht den typischen 300 km/h eines ICEs entspricht.
Fazit
Der neue ICE-L der Deutschen Bahn bringt sicherlich viele Vorteile mit sich, insbesondere durch seine Flexibilität und die Möglichkeit, auch nicht elektrifizierte Strecken zu befahren. Ob er jedoch die Erwartungen in puncto Geschwindigkeit und Pünktlichkeit erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Die Kritik an den höheren Ticketpreisen und der Tatsache, dass der Zug technisch eher einem IC-Zug entspricht, ist nicht unbegründet.
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