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Neue Doppelstockzüge für die ÖBB: Ein Blick hinter die Kulissen der Elektromotorenproduktion

Die österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben mit der Bestellung von 109 neuen Cityjet Doppelstockzügen bei Stadler einen bedeutenden Schritt in Richtung Modernisierung und Nachhaltigkeit gemacht. Diese neuen Züge sollen ab Anfang 2026 in der Ostregion Österreichs unterwegs sein. Ende September werden die Züge offiziell vorgestellt, doch bereits jetzt werfen wir einen Blick auf einen der wichtigsten Bestandteile dieser Fahrzeuge: den Elektromotor. Dieses Herzstück der neuen Züge wird vom niederösterreichischen Unternehmen Traktionssysteme Austria (TSA) entwickelt und gefertigt.

Elektromotoren: Die Zukunft des Schienenverkehrs

Der Elektromotor ist das zentrale Element jedes modernen Zuges. Er wandelt elektrische Energie in mechanische Bewegung um und erreicht dabei einen Wirkungsgrad von über 90 %. Zum Vergleich: Dieselmotoren kommen auf gerade einmal 30 bis 40 %. Dieser hohe Wirkungsgrad macht Elektromotoren nicht nur effizienter, sondern auch umweltfreundlicher und leiser. Kein Wunder also, dass viele Bahnunternehmen verstärkt auf Elektrifizierung und die Dekarbonisierung des Schienenverkehrs setzen.

Elektromotoren sind jedoch nicht nur leistungsstark, sondern auch vielseitig. Moderne Lokomotiven, wie die Stadler Eurodual-Loks, erzeugen ihren Strom über einen Generator und treiben damit Elektromotoren an. Diese Art des Antriebs, der von TSA entwickelt wurde, findet sich auch in den neuen ÖBB Cityjet KISS-Doppelstockzügen wieder.

Vom Rohmaterial zum Herzstück: Die Produktion des Elektromotors

Die Produktion eines Elektromotors ist ein komplexer Prozess, bei dem Präzision und Know-how gefragt sind. TSA fertigt die Hauptkomponenten des Motors, den Stator und den Rotor, größtenteils in Österreich. Dabei durchlaufen die Bleche des Stators zahlreiche Schritte: Sie werden gestanzt, gepresst, geschweißt, gestrahlt und beschichtet, bevor sie in Bosnien weiterverarbeitet werden. Dort werden die Spulen hergestellt, die später in den Stator integriert werden.

Der Rotor, der drehbare Teil des Motors, wird ebenfalls in mehreren Arbeitsschritten gefertigt. Nach der Montage der Welle und der Lagerungseinheiten erfolgt die Feinwuchtung und Lackierung, bevor Rotor und Stator schließlich in der sogenannten „Hochzeit“ zusammengeführt werden. Dieser Prozess bildet das Herzstück des Elektromotors, der nach einer abschließenden Prüfung weltweit in Zügen verbaut wird.

Herausforderungen und Innovationen bei Traktionssysteme Austria

TSA ist nicht nur in Österreich, sondern weltweit ein bedeutender Hersteller von Elektromotoren für Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen liefert Antriebseinheiten für zahlreiche Regional- und Fernverkehrszüge sowie für spezielle Anwendungen wie die Gornergratbahn und die Pilatus Bergbahnen in der Schweiz. Seit 1960 fertigt TSA in Wiener Neudorf und hat sich über die Jahrzehnte zu einem führenden Anbieter in der Branche entwickelt.

Doch die Zukunft bringt neue Herausforderungen. Die Anforderungen an Elektromotoren werden immer höher, insbesondere in Bezug auf Kompaktheit, Leistungsdichte und Effizienz. Niederflurfahrzeuge, die in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen werden, bieten weniger Platz für Antriebseinheiten. TSA arbeitet daher an neuen Kühlvarianten und Technologien, um die Leistungsfähigkeit der Motoren weiter zu steigern und gleichzeitig den Bauraum zu minimieren.

Investitionen in die Zukunft: TSA-City in Wiener Neudorf

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, plant TSA umfangreiche Investitionen in den Standort Wiener Neudorf. Bis 2030 sollen rund 30 Millionen Euro in neue Fertigungsverfahren, Robotertechnologien und Produktentwicklungen fließen. Eine neue Logistik- und Montagehalle wurde bereits in Betrieb genommen, und mittelfristig strebt das Unternehmen den Ausbau zu einer „TSA-City“ an.

Diese Investitionen sind entscheidend, um die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens zu sichern und weiterhin innovative Lösungen für den Schienenverkehr anzubieten. TSA setzt auf neue Werkstoffe, Permanentmagnettechnologien und die kontinuierliche Optimierung von Kühlkonzepten, um auch in Zukunft leistungsstarke und nachhaltige Elektromotoren zu entwickeln.

Fazit: Österreichische Ingenieurskunst auf internationalem Niveau

Obwohl Österreich kein großes Land ist, spielt es im Bereich Bahn eine bedeutende Rolle. TSA trägt maßgeblich dazu bei, dass der Schienenverkehr weltweit effizienter und umweltfreundlicher wird. Die neuen ÖBB Cityjet KISS-Doppelstockzüge sind ein weiteres Beispiel dafür, wie österreichische Ingenieurskunst und Innovationskraft die Zukunft des öffentlichen Verkehrs mitgestalten.

Die kommenden Jahre werden spannend, nicht nur für TSA, sondern auch für die gesamte Bahnbranche. Die Entwicklungen in Wiener Neudorf und die neuen Technologien, die dort entstehen, werden die Mobilität von morgen prägen und zeigen, dass Nachhaltigkeit und Technik Hand in Hand gehen können.

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