Startseite » Mehr Brachen, mehr Arten: Landwirtschaftliche Wege zur Förderung der Biodiversität

Mehr Brachen, mehr Arten: Landwirtschaftliche Wege zur Förderung der Biodiversität

Die Biodiversität und die Landwirtschaft stehen in einem Wechselspiel, das über Jahrzehnte hinweg immer mehr Vogelarten aus Deutschland vertrieben hat. Der Kiebitz und das Rebhuhn waren einst charakteristische Bewohner landwirtschaftlich geprägter Lebensräume, doch die intensive Landwirtschaft hat diese Habitate massiv verändert. Dies führte zu einem alarmierenden Rückgang von Arten- und Individuenzahlen sowie zum Verlust typischer Landschaftsstrukturen. Die Zahl der Brachen in der EU ist in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken: Während 1995 noch über zwölf Prozent der Ackerflächen brachlagen, sind es heute knapp über drei Prozent.

Brachen fördern die Artenvielfalt

Diese Entwicklung ist für Naturschützer besorgniserregend, denn Brachen spielen eine entscheidende Rolle in der Förderung der Artenvielfalt, insbesondere bei Vögeln. Das Braunschweiger Thünen-Institut, der Dachverband Deutscher Avifaunisten und die Universität Göttingen haben sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt und betont, dass es notwendig ist, einen Mindestanteil von Brachen in der Agrarlandschaft zu erhalten, um den Rückgang der Agrarvögel in Deutschland zu stoppen.

Bestehende Brachen schützen und neue anlegen

Der Nutzen von Brachflächen erstreckt sich nicht nur auf bestehende, sondern auch auf neu angelegte Flächen. Zunächst wirken Brachen als kahle Freiflächen, entwickeln sich jedoch im Laufe der Zeit ökologisch weiter. Jahr für Jahr werden sie von mehr Arten besiedelt, was dazu führt, dass sie sich allmählich zu Schutz- und Rückzugsräumen für immer mehr Arten entwickeln. Dieser natürliche Prozess kann am besten dort stattfinden, wo um die Brachen herum noch eine gewisse natürliche Biodiversität vorhanden ist. In den Agrar-„Wüsten“ hingegen finden sich solche wichtigen Voraussetzungen kaum noch.

Unterstützung für Landwirte erforderlich

Um die Förderung von Brachflächen voranzutreiben, ist es jedoch notwendig, auch die Landwirte aktiv einzubeziehen und zu unterstützen. Aktuell erhalten Landwirte in Hessen bis zu 1.300 Euro pro brachliegendem Hektar Land. Doch dieses Geld reicht bei Weitem nicht aus, wenn man die Pachtkosten und die Arbeit, die bei einer Flächenstilllegung anfällt, berücksichtigt. Die Politik sollte daher weitere Anreize schaffen, um diesen wichtigen Lebensraum zu erhalten.

Politische Unterstützung und Ziele für Brachflächen

Es gibt bereits einen gewissen politischen Willen für mehr Brachland. Seit diesem Jahr sind landwirtschaftliche Betriebe in der EU dazu verpflichtet, vier Prozent ihrer Ackerfläche stillzulegen. Einige deutsche Bundesländer, wie Hessen, haben sogar Pläne, die Stilllegungsprämie um bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Doch im Vergleich zur Situation um 1995 sind diese Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aus ökologischer Sicht sollten langfristig zumindest fünf bis sechs Prozent, besser sogar zehn Prozent Brachflächen angestrebt werden, um die Artenvielfalt und die Lebensräume für Vögel und andere Tierarten nachhaltig zu fördern.

Fazit

Mehr Brachflächen bedeuten mehr Artenvielfalt. Die Landwirtschaft hat die Möglichkeit, aktiv zur Förderung der Biodiversität beizutragen, indem sie Brachen schützt und neue Flächen anlegt. Politische Unterstützung und angemessene Anreize für Landwirte sind dabei von entscheidender Bedeutung, um dieses wichtige ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Nur wenn wir jetzt handeln, können wir die Rückkehr einst charakteristischer Vogelarten wie Kiebitz und Rebhuhn ermöglichen und unsere Agrarlandschaften zu lebendigen und vielfältigen Ökosystemen machen.

Views: 0

Kommentare

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner