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Kurioses Wunder-Gerät spart 90 % Stromkosten?!

Wie bitte? Dieses Gerät soll Stromkosten um bis zu 90 % reduzieren?

Einfach in die Steckdose einstecken und schon spart man massiv Geld. Was wie ein heftiger Betrug klingt, begeistert jedoch Millionen von Menschen. Die Rede ist von sogenannten Stromsparboxen und Energiespargeräten. Hier soll ein intelligenter Chip verbaut sein, der Anpassungen am Stromfluss vornimmt. Kennt die Dreistigkeit von Abzockern keine Grenzen mehr, oder ist da vielleicht doch etwas dran?

Messungen und Mythen: Was steckt hinter den Behauptungen?

Messungen im Internet zeigen tatsächlich einen Effekt, und auch konnte bei einer Messung mit einem Energy Saver angeblich der Stromverbrauch gesenkt werden. Schaffen wir also mal Klarheit, was es damit auf sich hat und woher diese Messergebnisse wirklich kommen. Um das zu verstehen, müssen wir nachvollziehen können, was elektrische Leistung eigentlich ist und wie man sie messen kann.

Grundlagen der elektrischen Leistung

An der typischen deutschen Steckdose liegt eine Spannung von 230 Volt an, zulässig sind dazu maximal 16 Ampere. Die beiden Faktoren ergeben multipliziert die elektrische Leistung, gemessen in Watt. Diese Leistung kann dann Arbeit verrichten, so z.B. einen Ventilator antreiben. Dieser erzeugt unter der Verwendung der elektrischen Energie Bewegungsenergie, man spricht diesbezüglich von Wirkleistung – Leistung, die auch tatsächlich Arbeit verrichten kann.

Es gibt aber noch eine andere Form der Leistung, die sogenannte Blindleistung. Anstatt die elektrische Energie beispielsweise als Wärme oder Bewegungsenergie abzugeben, wird von manchen Elektrogeräten kurzzeitig Energie gespeichert und wieder in das Netz zurückgespeist. So pendelt im Netz die elektrische Energie zwischen Erzeuger und Verbraucher.

Beim Beispiel eines Ventilators ist die Blindleistung im Spiel bei der Erzeugung der Magnetfelder im Motor. Die Blindleistung verrichtet aber selbst keine Arbeit. Wichtig zu verstehen ist nun, dass die Gesamtleistung bzw. die Scheinleistung die Kombination aus Wirkleistung und Blindleistung darstellt.

Der Leistungsfaktor: Ein wichtiges Maß

Bei einem Bier wäre die Flüssigkeit die Wirkleistung, der Schaum die Blindleistung und die Scheinleistung letztendlich die Gesamtheit. Der Leistungsfaktor gibt an, wie groß das Verhältnis von Wirkleistung und Blindleistung ist – ein Wert zwischen 0 und 1. Beim Beispiel von Bier würde ein Wert von 1 bedeuten, dass gar kein Schaum vorhanden ist, und 0,5, dass 50 % Schaum und 50 % Flüssigkeit vorhanden sind. In Bezug auf das Stromnetz wäre ein Leistungsfaktor von exakt eins am liebsten, dann habe man nur Leistung vorliegen, die Arbeit verrichtet.

Der angebliche Effekt des Energy Savers

Kein Mensch möchte für elektrische Leistung bezahlen, die eigentlich keine Arbeit verrichtet, sprich gar nicht verbraucht wird oder nur teils. Wie schafft man das nun genau? Da wird der Energy Saver aktiv. Die Hersteller behaupten, dass man einen gigantischen Anteil an Scheinleistung bezahlen müsse. Ein intelligenter Chip im Inneren würde nun aber die Scheinleistung eliminieren können. Die Kurven der Wechselspannung würden vereinheitlicht und so die Kosten minimiert.

Was steckt wirklich im Energy Saver?

Doch nun wird es lustig, denn sicherlich fragt man sich jetzt, wie genau man die Scheinleistung eliminieren und den Leistungsfaktor auf eins bringen kann. Was ist also wirklich im Energy Saver verbaut? Die Rede vom Computerchip ist ganz eindeutig falsches Marketing, denn ein einfacher Kondensator reicht für die Eliminierung der Scheinleistung tatsächlich aus. Ein großer Teil der Blindleistung wird aufgrund von Wechselstrommotoren verursacht. Induktive Lasten, hier hält der Strom der Spannung hinterher, ein Kondensator gleicht das Problem aus, indem eine kapazitive Last erzeugt wird. So gesehen das Gegenteil, ein Ausgleich ist gegeben – ähnlich wie +1 und -1 = 0 ergeben, und genau dieser Effekt ist messbar.

Der Haken an der Sache

Genau das ist der Grund, warum der Energy Saver angeblich eine reale Wirkung entfalten könne. Es gibt aber einen gewaltigen Haken an der Sache. Damit man rechnerisch zu einer Kosteneinsparung von bis zu 90 % kommen könnte, müsste der Leistungsfaktor bei knapp 10 % liegen, sprich 90 % der Scheinleistung müsste die Blindleistung sein. Das ist aber absolut nicht der Fall. Zuhause ist dieser Faktor vollkommen vernachlässigbar. Genau das ist auch der Grund, warum Stromanbieter den Blindstrom und die Blindleistung einfach schenken. Kein Scherz, Stromzähler bei Kleinkunden berechnen nur die Wirkenergie, die Blindenergie bekommen Verbraucher nicht in Rechnung gestellt, ausschließlich große Industriekunden und Gewerbekunden bekommen die Scheinleistung berechnet. Diese nutzen tatsächlich Mechanismen zum Blindleistungsausgleich.

Fazit: Finger weg von vermeintlichen Wundermitteln

Kurz gesagt, der Energy Saver hat einen nicht nennenswerten Effekt, der zusätzlich noch nicht einmal Kosten reduzieren kann, da man sowieso nicht für die Blindleistung bezahlt, die er reduzieren würde. Mit einem Energy Saver kann man nur Stromkosten sparen, wenn man den Kondensator ausbaut und die Drähte direkt verbindet – dann hat man einen Kurzschluss, bei euch würde die Sicherung rausfliegen und der Verbrauch und damit auch die Stromkosten auf null fallen. Was dieser zugegebenermaßen schlechte Witz aussagen soll, ist, dass nur wenn man weniger Wirkleistung benötigt, die Stromkosten reduziert werden. Einfaches Stromsparen bringt es, aber definitiv rein gar nichts, wenn man irgendwelche vernachlässigbaren Blindleistungen vermindert, für die man sowieso nicht zahlen würde. Bleibt weg von solchen vermeintlichen Lösungen. Das ist dreister Betrug, um Menschen abzuzocken.

Man hofft, dass dieser Artikel informativ war und zumindest einen kleinen Beitrag gegen diese dreiste Betrugsmasche leisten kann. Ebenso dreist ist aber auch die Verkaufsmasche des Magnetmotors. Die Idee ist, dass man Magnete in einem Motor so anordnen könnte, dass sich dieser rein mit der Kraft der Magnete dreht und das für immer – eine nie endende Kreisbewegung, mit der man Strom gewinnen könne. Der angebliche Erfinder Friedrich Lüling hat es sogar in die Wochenschau geschafft. Verkauft werden bis heute Anleitungen, Bücher und Bausätze, leider ebenfalls nur Abzocke. Auch die Prototypen für Demonstrationen sind reinster Fake.

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