Holz und Papier sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir verwenden sie täglich und denken dabei selten an die Folgen für die Umwelt und die Menschen, die von der Holzwirtschaft betroffen sind. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen, die mit Holz und Papier handeln, eine sozial- und umweltverträgliche Produktion nachweisen können. Zertifikate sollen Kunden Orientierung geben und versprechen, dass die Produkte nachhaltig hergestellt wurden. Doch wie sieht es in der Realität aus? Leider sind Zertifikate oft ein Trugschluss.
Illegale Abholzung und Gewalt
Ein Beispiel für die Realität in der Holzwirtschaft zeigt sich in dem indonesischen Dorf Lubuk Mandarsah. Früher von Regenwald umgeben, ist heute von diesem nichts mehr zu sehen. Vor 15 Jahren erwarb die Firma PT Wira Karya Sakti Konzessionen an dem Land, um Holz für ihren Mutterkonzern Asia Pulp and Paper zu produzieren, einem der größten Papierkonzerne der Welt. Die Firma hat seitdem mehr als Zehntausend Familien in der Region enteignet und viele Menschen vertrieben. Die Abholzung des Regenwaldes und die Pflanzung von Monokulturen führte dazu, dass Flüsse austrockneten. Trotz all dieser Konflikte hielt die Firma WKS bis 2019 ein Zertifikat des TÜV Rheinland, das ihr die legale Herkunft des Holzes bescheinigte. Der TÜV Rheinland wies darauf hin, dass er seine Prüfaufträge „sorgfältig, gewissenhaft und unabhängig“ ausführe. Doch dem Rechercheprojekt Deforestation Inc. zufolge haben allein der TÜV Rheinland in den letzten 15 Jahren in mindestens 48 Fällen Zertifikate für Unternehmen in Indonesien ausgestellt, denen illegale Abholzung, Gewalt und Vertreibung indigener Gemeinden oder illegale Brandrodung vorgeworfen werden.
Zertifikate als Trugschluss
Das Beispiel zeigt, dass Zertifikate oft nicht viel wert sind. Sie sollen Kunden Orientierung geben und den Eindruck vermitteln, dass die Produkte umweltverträglich hergestellt wurden. Doch in vielen Fällen werden sie missbraucht, um illegale Abholzung und Gewalt zu verschleiern. So wurden seit 1998 mindestens 340 Holzfirmen Nachhaltigkeitssiegel verliehen, obwohl diesen Umweltverbrechen und andere Verfehlungen vorgeworfen wurden. Auch das bekannteste Zertifizierungsunternehmen, der Forest Stewardship Council (FSC), hat sich in der Vergangenheit dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, die eigenen Zertifizierungs-Standards gesenkt zu haben.
Fazit
Zertifikate sollten Kunden helfen, Produkte zu finden, die nachhaltig und umweltverträglich hergestellt wurden. Doch in der Realität sieht es oft anders aus. Viele Unternehmen missbrauchen Zertifikate, um illegale Abholzung und Gewalt zu verschleiern. Es ist wichtig, dass Kunden sich nicht allein auf Zertifikate verlassen.
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