Ein technischer Meilenstein geht in den Ruhestand
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h, einer achtteiligen Zugkonfiguration und verteiltem Antrieb über den gesamten Zug setzte der ICE 3M (Baureihe 406) seit dem Jahr 2000 neue Maßstäbe im europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr. Entwickelt für den internationalen Einsatz, brachte er Metropolen wie Amsterdam, Brüssel und Paris auf die deutsche Netzkarte. Doch nach fast 25 Jahren neigt sich die Einsatzzeit dieses innovativen Zuges dem Ende zu.
Die Erfolgsgeschichte des ICE 3M
Die Einführung des ICE 3M fiel mit dem Ausbau des deutschen Hochgeschwindigkeitsnetzes zusammen. Gemeinsam mit seinem Schwesterzug, dem klassischen ICE 3 (Baureihe 403), war er ab 2002 auf der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main im Einsatz. Diese Strecke stellte besondere Anforderungen an das Rollmaterial, die der ICE 3M dank seiner verteilten Antriebstechnik problemlos erfüllte.
Seine internationale Bedeutung zeigte sich unter anderem in der Verbindung Frankfurt–Köln–Amsterdam und Köln–Brüssel. Dabei stellte sich heraus, dass die komplexe Mehrsystemtechnik immer wieder Herausforderungen mit sich brachte, insbesondere beim Wechsel zwischen verschiedenen Strom- und Sicherungssystemen.
Der ICE 3M als Vorbild für internationale Hochgeschwindigkeitszüge
Die Technologie des ICE 3M wurde international geschätzt. Russland ließ auf seiner Basis den Velaro RUS für die Strecke Moskau–Sankt Petersburg entwickeln. Auch Spanien, die Türkei und Ägypten orderten auf den Velaro-Plattformen basierende Modelle. Damit wurde der ICE 3M zu einem echten Exportschlager der deutschen Hochgeschwindigkeitsindustrie.
Technische Herausforderungen und der schleichende Abschied
Während der ICE 3M anfangs als Inbegriff modernster Bahntechnologie galt, machte ihm seine aufwendige Technik später zunehmend zu schaffen. Häufige Störungen an der Mehrsystemausrüstung, Probleme mit Stromtransformatoren sowie eine hohe Wartungsanfälligkeit führten dazu, dass viele Verbindungen verkürzt oder gestrichen wurden.
Ein entscheidender Punkt war die ETCS-Nachrüstung (European Train Control System), die für den langfristigen Betrieb erforderlich gewesen wäre. Die hohen Kosten und die geringe verbliebene Fahrzeugzahl machten eine Investition unwirtschaftlich.
Der ICE 3 Neo übernimmt – Die Zukunft des Hochgeschwindigkeitsverkehrs
Mit der Bestellung von insgesamt 90 neuen ICE 3 Neo-Zügen (Baureihe 408) hat die Deutsche Bahn eine moderne und einheitliche Flotte geschaffen, die den ICE 3M ersetzt. Seit Juni 2024 hat der ICE 3 Neo sämtliche internationalen Verbindungen übernommen und überzeugt mit höherer Zuverlässigkeit und besseren Fahreigenschaften.
Nachhaltigkeit: Was passiert mit den ausgemusterten ICE 3M?
Die Deutsche Bahn verfolgt eine Ressourcenrückgewinnungsstrategie, bei der bis zu 124 Materialien aus den stillgelegten ICE 3M weiterverwendet werden können. Klimaanlagen, Bordnetze und andere Bauteile könnten für die weiterhin im Einsatz befindlichen ICE 3 (Baureihe 403) genutzt werden. Einige Züge könnten verkauft werden – doch viele werden wohl verschrottet.
Der letzte Halt: Düsseldorf, April 2025
Am 16. April 2025 um 21:51 Uhr wird voraussichtlich der letzte planmäßige ICE 3M seine Endstation erreichen. Damit endet eine Ära, in der der Zug als Symbol für deutsche Ingenieurskunst und internationalen Bahnverkehr galt.
Die Entscheidung zur Ausmusterung ist wirtschaftlich nachvollziehbar, doch sie bedeutet auch das Ende eines Stücks Bahngeschichte. Der ICE 3M hat den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland und Europa geprägt – und wird als technischer Pionier in Erinnerung bleiben.
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